Neubau - Wie eine Riesenbaustelle Gestalt annimmt

Am 19.09.2013 wurde in einem feierlichen Akt der Bau des neuen Schulgebäudes für das Berufliche Schulzentrum Neusäß begonnen. Mit einer Investitionssumme von fast vierzig Millionen Euro war allen am Bau Beteiligten klar, dass das Bauprojekt nicht nur eine finanzielle, sondern auch planerische Mammutaufgabe werden würde. Eine besondere Herausforderung im Unterschied zu anderen Schulprojekten war allein die Besonderheit, den unterschiedlichen Anforderungen und Bedürfnissen von mehreren Berufsfachschulen, der Berufsschule, der Fachoberschule und der Berufsoberschule unter einem Dach gerecht zu werden. Schließlich waren Gewächshäuser, Holz- und Metallwerkstätten, Schlepperhallen, Großküchen ebenso zu realisieren wie Fachräume für Chemie, Biologie und Physik.
Ein schuleigener Bauausschuss unter Leitung der Autorin koordinierte über die gesamte Bauzeit hinweg die Forderungen und Vorstellungen aus den einzelnen Fachbereichen der Schule mit den Vertretern des Landratsamtes Augsburg als Bauherr und mit den Architekten und Fachplanern. Jede zweite Woche und nach Bedarf fand ein Treffen statt, bei dem die jeweils anstehenden Fragen zu den jeweiligen Gewerken dem Baufortschritt entsprechend erörtert und entschieden wurden.
Die Vorsitzende des schulinternen Bauausschusses war sich darüber im Klaren, dass nicht alle Wünsche seitens der Lehrerschaft in die Planung Eingang finden können und Kompromisse erforderlich würden. Was sie aber wirklich überraschte, war die Unzahl an Detailfragen, die zu entscheiden waren, und damit verbunden auch mit Fachbegriffen umgehen zu können, mit denen normalerweise nur Spezialisten etwas anfangen können. Wer kennt schon eine Werkbank-Kipplade und kann einen Schließhebelzylinder von einem Profildoppelblindzylinder unterscheiden. Doch auch scheinbar einfache Entscheidungen können, sofern falsch getroffen, hinterher große Folgekosten nach sich ziehen. Eine Steckdose an falscher Stelle in einer Betonwand, ein vergessenes Waschbecken… . Ein Fehler in der Detailplanung kostet das Geld, das an anderer Stelle fehlt.
Ein bautechnischer Laie wie die Autorin kommt als Verantwortliche im Bauausschuss an ihre Grenzen, andererseits auch in die Lage, sich nolens volens zum Beispiel zur Expertin in Sachen Konfiguration einer Schließanlage zu entwickeln. Das wäre jedem zu empfehlen, der gerne die mechanische oder elektronische Schließberechtigung bei hunderten von Schlössern mit Knauf oder Drücker mit oder ohne Panikschließung jeweils bestimmten Personen oder Personengruppen zuweisen möchte.


Während die Entscheidung, welche Bestuhlung auszuwählen sei, durch mehrtägiges Probesitzen von Lehrern und Schülern auf Musterstühlen durch klares Votum getroffen werden konnte, war in anderen Bereichen ein Konsens schwieriger zu erzielen. Allein von der Notwendigkeit, Uhren und Waschbecken in den Klassenzimmern anzubringen, waren die Planer nicht ohne weiteres zu überzeugen.
Andere planungsintensive und durchaus kostspielige Positionen sind allein den neuen gesetzlichen Auflagen zum umfassenden Datenschutz geschuldet, damit Schülerakten in individuell kodierten Schließfächern vor unbefugtem Zugriff sicher sind. Entscheidungen über die Form von Wasserhähnen, Abfalleimern, Schülerspinden, die Zahl von Parkplätzen für Lehrer und Schüler sind dagegen wenig spektakulär und müssen dennoch auch getroffen werden. Das alles verblasst vor dem Blick auf das Große und Ganze, der zum Zeitpunkt, als der Artikel verfasst wird, der Allgemeinheit noch verwehrt ist.
Die Autorin ist aber überzeugt, dass sich beim ersten Betreten des neuen Schulgebäudes so etwas wie ein „Aha-Erlebnis“ einstellen wird angesichts dessen, was geleistet und geschaffen wurde. Ein lichtdurchfluteter, großzügig wirkender Eingangsbereich für ein Schulgebäude, in dem das pädagogische Konzept der „offenen Lernlandschaften“ optimal umgesetzt wurde, mit Klassenräumen, deren Touchscreen-Bildschirme mit fast zwei Metern Diagonale jeden Technikaffinen begeistern kann, mit modernster EDV und WLAN. Die einzelnen Fachbereiche dürfen sich über eine Ausstattung freuen, die unter Preis-Leistungsaspekten die jeweils beste Lösung bietet, und das mag jeden überzeugen, der mit seinen Steuergeldern diesen großartigen Neubau mitfinanziert hat.
Der Dank der Autorin, die selber unzählige Stunden während der Bauphase in das Projekt mit viel „Herzblut“ investiert hat, geht an die Mitglieder des schulinternen Bauausschusses, allen voran an unseren Kollegen Johannes Münch, der die äußerst komplexe EDV-Infrastruktur konzipiert hat, sowie an unsere Kolleginnen Nicoleta Bartel, Elke Bastian, Jutta Erles, Verena Hofrichter, Marion Otillinger, Marianne Scherfer-Baur, Myrjam Schwarzbart, Andrea von Mackensen und unsere Kollegen Joachim Führer, Alexander Kolb, Joachim Scheithauer und alle hier nicht namentlich aufgeführten Mitglieder der Schulfamilie, die mit konstruktiven Ideen zum Gelingen beigetragen haben. Wenn Sie, geschätzter Leser, jetzt als Lehrer, Besucher oder Schüler das Schulgebäude betreten, zollen Sie bitte denen Respekt, die sich bei jedem Detail darüber Gedanken gemacht haben und bedenken Sie, dass alles auch indirekt mit Ihrem eigenen Geld bezahlt wurde. Wollen wir unser Schulgebäude über viele Jahre in gutem Zustand erhalten.

Monika Stockinger-Warm, StDin
Fotografie: Martin Jokiel, StD

 

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